Jo: Hallo Jan, stelle dich bitte einmal kurz vor und woher kommst du?
Jan: Hallo liebe Internet-Gemeinde. Ich bin 58 Jahre alt und die meiste Zeit meines Lebens habe ich in Hamburg verbracht, allerdings wohne ich seit einiger Zeit aus beruflichen Gründen in der Stadt Brandenburg an der Havel. Dort arbeite ich als Ausbilder bei einer Schulungseinrichtung des Zolls.

Jo: Du bist ja schon viele Jahre beim Autocross mit dabei, wann hat das bei dir angefangen und zu kribbeln begonnen?
Jan: Das erste Rennen habe ich 1980 besucht.

Jo: Und welche Motorsportart war das?
Jan: Das war Rallycross in Buxtehude. Ein Bekannter hatte mich mitgenommen.

Jo: Und wie ging es dann weiter?
Jan: Nach einigen Rennen gab es eine familiäre Pause. In den frühen 2000er Jahren ging es dann weiter. Zunächst als Zuschauer, dann als Fotograf und Video-Kameramann. Schließlich engagierte ich mich als Sportwart (Streckensicherung). Nun kam ich auch mehr in Kontakt mit einzelnen Fahrern und Teams. Dann wurden Leute in der Vereinsführung gesucht. Mit meinen Kenntnissen aus der Verwaltung konnte ich im Bürobereich und bei der Organisation helfen. Schließlich war ich zwei Jahre lang als Helfer mit einem Team unterwegs.

Jo: Ok, das ist ja auch schon eine Zeit lang gewesen und du hast vieles kennengelernt. Weiter später hast du dir ja dann eine schöne Position in der Motorsportwelt erarbeitet. Wie kam es dazu und was sind deine Aufgaben?
Jan: Etwa 2013 sprach mich Harald Klemann, der damalige Vorsitzende des off-road Ausschusses an. Als er diese Position verlies wurde ich vom DMSB nominiert, diese Aufgabe zu übernehmen. Das war genau die Zeit, in der auch die Verbindung von Autocross und DMSB nicht so gut war. Zum einen hatte ich nun Kenntnisse aus allen drei Säulen des Sports, nämlich Teams, Veranstalter und Fans, zum anderen war ich im Bereich Autocross unvorbelastet. Wahrscheinlich war es daher möglich, beide Seiten wieder besser zusammen zu bringen.

Jo: Das hat auch super mit deinem Zutun geklappt und die Starterzahlen in der DM stiegen wieder an. Wie ging es dann weiter?
Jan: Inzwischen bin ich Vorsitzender des Fachausschusses und damit beim DMSB der Ansprechpartner für Autocross und Rallycross. Wir machen die Regeln, vergeben die Prädikate. Dabei sind wir im Autocross im engen Austausch mit der DAV, welche die Veranstalter vereint und z.B. für das Preisgeld sorgt.
Jo: Aber das war noch lange nicht alles, denn du bist seit einigen Jahren auch bei einer noch höheren Commission/Vereinigung tätig. Wo hat es dich dann noch hingezogen?
Jan: In der Folge bin ich seit 2016 auch Mitglied der „off-road commission“ der FIA, das ist etwa das gleiche auf internationaler Ebene. Dort sind wir zum Beispiel für die Autocross-EM zuständig. Nebenbei habe ich meine Ausbildung zum Sportkommissar absolviert und war auch schon bei einigen Läufen im Einsatz, zuletzt im Siegbachtal.

Jo: Na da hast du ja einiges zu tun und es wird dir bestimmt nicht langweilig. Du bist ja auch oft an den Rennstrecken live vor Ort und ich denke, dass man dich immer ansprechen kann?
Jan: Natürlich habe ich immer ein offenes Ohr für Anregungen und Sorgen. Es kommt aber auch darauf an, in welcher Funktion ich vor Ort bin. Als Delegierter ist es ja auch meine Aufgabe, diese Stimmung einzufangen und daraus zu überlegen, was für die Zukunft besser gemacht werden kann. Da bin ich aber mehr Berater.

Jo: Und wenn du als Sportkommissar agierst. Welche Aufgaben sind hier zu verrichten?
Jan: Als Sportkommissar soll ich darauf achten, dass alles nach den vorgegebenen Regeln läuft. Vor allem bin ich aber eine Art Schiedsrichter für Fälle, wo man sich nicht direkt z.B. mit dem Rennleiter einigen kann. Oder für besonders schwere Regelverstöße. Ganz wichtig: Ich beobachte nicht ständig den aktuellen Rennverlauf (das macht der Rennleiter mit seinen Sportwarten) sondern komme dann ins Spiel, wenn eine Entscheidung „Am grünen Tisch“ benötigt wird.

Jo: Ich denke mal, dass man bei manchen Entscheidungen ab und zu geben muss und einer bestimmt nicht immer damit einverstanden ist?
Jan: Natürlich ist es nicht immer einfach. Mal muss man jemanden bestrafen, mal einen Protest zwischen zwei Kontrahenten entscheiden. Ganz wichtig ist dabei, sich nur von der Sachfrage leiten zu lassen. Persönliche Vorlieben, aber auch Abneigungen helfen hier nicht und dürfen in die Entscheidung auch nicht einfließen. Ich habe bisher aber keine größeren Probleme dabei gehabt.

Jo: Ich drifte mal kurz ab zur Autocross Europameisterschaft und zu den Tourenwagen (TAX) Ich persönlich bin von diesen Autos hellauf begeistert und freue mich jedes Mal sehr, wenn sie auf die Strecke fahren und ihre PS ausspielen. Außerdem ist es ist ein Genuss für die Ohren. Die hoch aktuelle Frage ist ja gerade, wie geht es mit den TAX in der EM weiter? Sie sollten ab 2020 wahrscheinlich nicht mehr mit dabei sein?
Jan: Es stimmt leider, dass die Starterzahlen in dieser Klasse immer kleiner werden. Das hat vor allem Kostengründe. Hier versuchen wir, Kompromisslösungen zu finden. Deshalb sind jetzt auch Fahrzeuge zugelassen, die nicht homologiert waren, wenn sie in der FIA-Liste eingetragen sind. Außerdem wollen die die Ablauffrist verlängern von vier auf acht Jahre, da muss das WMSC (Motorsport-Weltrat) noch zustimmen. Beides sind übrigens Anregungen, die im Dialog mit den Fahrern entstanden sind. Wir hoffen, dass diese Maßnahmen noch greifen, so dass über den Abschied von den TAX noch einmal nachgedacht werden kann. Denn ich gebe Dir Recht, Tourenwagen gehören zum Autocross einfach dazu. Deshalb sind jetzt Starterzahlen ganz wichtig.

Jo: Die Fans werden über eine positive Entscheidung sehr begeistert sein. Jetzt geht es noch mal zur DM zurück. Wie schon weiter oben erwähnt, sind die Starterzahlen in der DM auf einem klasse Niveau und die Rennen waren sehr spannend gewesen. Was ist deine Einschätzung, bleibt das auch 2019 so bestehen und darüber hinaus, was wird seitens DAV/DMSB dafür getan?
Jan: Ich denke schon, dass es mit der DACM positiv weitergeht. Wir sind auf einem guten Niveau und wollen das mit einem möglichst stabilen Reglement auch bleiben. In 2019 bekommen wir zwei neue Strecken ins Programm. Die wollen wir mit Rat und Tat begleiten. Aber das Grundkonzept bleibt: Wir machen die Regeln von unten nach oben. Wir haben für alle ein offenes Ohr und finden tragbare Lösungen. Und auch Fahrer aus anderen Serien sind bei uns sehr willkommen. Wir helfen gern beim Einstieg, auch bei der B-Lizenz, die man fürs Punkten braucht.

Jo: Was hat es eigentlich mit den ganzen Lizenzen auf sich?
Jan: Nun, zur Teilnahme an jedem Motorsport braucht man eine Lizenz. Das ist zu allererst eine Registrierung, dann aber auch eine Unfallversicherung und schließlich ein gewisser Leistungsnachweis. Es geht los mit der „race card“, das ist eine Lizenz für den Anfänger nur für eine Veranstaltung. Kostet 19,- Euro und gilt ab diesem Jahr sogar bei nationalen Rennen im Ausland. Die kauft man einfach über die DMSB-App. Dann gibt es die nationale C-Lizenz. Die gilt ein ganzes Jahr und erfordert ebenfalls keine Vorkenntnisse. Mit diesen beiden Lizenzen kann man schon ganz einfach einsteigen. Aber: Es gibt keine Punkte in der Meisterschaft. Dafür braucht man die nationale B-Lizenz. Nun ist man auch punktberechtigt. Eigentlich muss man dafür drei Mal in Wertung teilgenommen haben. Wir bieten zu Saisonbeginn einen Lehrgang an, mit dem man diese Lizenz erhalten und von Anfang an punkten kann. In dem Stil geht es weiter bis zu den internationalen Lizenzen, die man für die Europameisterschaft braucht. Ich will hier nicht mit zu viel Details langweilen, berate aber jeden gern, der nähere Infos braucht.

Jo: Wie kann man Dich da erreichen?
Jan: Am besten per mail, off-road.dmsb.hohmeier (at) email.de oder man spricht mich an der Strecke mal an. Nur telefonisch ist es immer schwer, weil ich ja in der Woche auch ganz normal arbeiten muss.

Jo: Was wir (JoRö und Ralf Hofacker) persönlich sehr schön finden ist, dass du seit der Geburt unseres Autocross-Kalenders (Start 2012) sozusagen ein Fan bist. Wir hoffen, dass wir das noch einige Jahre weiterführen können und dich, die Mitwirkenden und Fans damit erfreuen können.
Jan: Ich bin ein großer Anhänger von der Idee, mit einem Kalender den Sport auch in eine andere Ebene zu transportieren. Er taugt als Geschenk für Sponsoren und Gäste, man kann aber auch im privaten Umfeld zeigen, was eigentlich Autocross ist. Und so immer mal neue Fans finden, die dann in die Szene kommen und vielleicht auch mehr.

Jo: Vielen Dank Jan, dass du mir und den Motorsport-Fans diese Fragen beantwortet hast. Gib uns noch mal einen guten Tipp oder auch Tipps für die neue Renn-Saison mit.
Jan: So schön das beste Foto auch ist, und ihr beiden macht wirklich tolle Bilder: Nichts kann den Live-Eindruck ersetzen. Der Geruch, der Sound, die Action. Aber auch die Bratwurst, das Bier, die Benzingespräche und nicht zuletzt der Staub und Dreck. Das alles macht ein Rennwochenende perfekt. Und dann Bilder und Kalender, um sich daran zu erinnern und für die Fahrer, um sich zu präsentieren. Deshalb: Man sollte unbedingt bei der einen oder anderen Veranstaltung live dabei sein. Übrigens ist das Eintrittsgeld und oft auch der Erlös aus dem Bratwurstverkauf ein wesentliches Standbein für den Veranstalter. Und so sichert man mit seinem Besuch auch den Fortbestand des ganzen Sports.

Viele Motorsportliche Grüße
Jan Hohmeier und JoRö